ERBACH. Wie kann eine zukunftsfähige medizinische Versorgung in der Region sichergestellt werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Besuchs der Bundestagsabgeordneten Frau Nancy Faeser im Gesundheitszentrum Odenwaldkreis (GZO).
Zusammen mit Geschäftsführerin Frau Abir Giacaman, Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender des GZO, Herrn Frank Matiaske, sowie weiteren Mitgliedern des Kreistags informierte sich Frau Faeser über die aktuelle Entwicklung des GZO und die besonderen Herausforderungen eines Krankenhauses im ländlichen Raum.
Im Mittelpunkt des Gesprächs standen neben der Krankenhausreform (Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG)) insbesondere die Auswirkungen des beschlossenen GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes (BStabG) und die damit verbundenen finanziellen und sonstigen Herausforderungen für das GZO. Es wurde deutlich, dass die gesetzlichen Vorgaben zur Begrenzung der Ausgaben für ein ländliches Krankenhaus besondere Herausforderungen mit sich bringen: Das GZO muss eine umfassende medizinische Versorgung auch für eine vergleichsweise kleine und weitläufige Region sicherstellen und gleichzeitig die dafür notwendigen Strukturen, qualifiziertes Personal und medizinische Leistungen dauerhaft vorhalten.
„Der persönliche Austausch mit politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern ist für uns von großer Bedeutung. Nur wer die Situation vor Ort kennt, kann die Herausforderungen der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum realistisch bewerten“, betont Frau Abir, Giacaman, Geschäftsführerin des GZO. „Aus diesem Grund wissen wir den Besuch von Frau Nancy Faeser und ihren Kolleginnen und Kollegen sehr zu schätzen. Frau Faeser war selbst viele Jahre Aufsichtsratsmitglied eines Klinikverbunds und ist daher mit den Strukturen und Herausforderungen des Gesundheitswesens aus eigener Erfahrung bestens vertraut.“
Nancy Faeser zeigte sich beeindruckt von der Leistungsfähigkeit und dem breiten Leistungsspektrum des GZO. Geschäftsführerin Frau Giacaman zeigte eindrucksvoll auf, welche vielfältigen Leistungen und Dienstleistungen das GZO für die Bevölkerung der Region erbringt. Denn neben dem Krankenhaus betreibt das GZO ein Alten- und Pflegeheim mit 80 Plätzen, bietet in verschiedenen Bereichen über 100 Ausbildungsplätze und ist damit der größte Ausbilder in der Region. Darüber hinaus betreibt das Gesundheitszentrum ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) mit verschiedenen ambulanten medizinischen Angeboten.
Am Standort befinden sich zudem eine Rettungswache mit Rettungswagen und Notarztwagen, ein Hubschrauberlandeplatz sowie eine KV-Notfallpraxis. Die Bedeutung des Gesundheitszentrums geht jedoch weit über die medizinische und pflegerische Versorgung hinaus. Das GZO ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die gesamte Region: als zweitgrößter Arbeitgeber im Odenwaldkreis, aber ebenso durch die zahlreichen Unternehmen, Dienstleister, Handwerksbetriebe und weiteren Anbieter, die unmittelbar oder mittelbar mit dem Gesundheitszentrum verbunden sind und von dessen wirtschaftlicher Tätigkeit profitieren.
Im Gespräch ist deutlich geworden, dass Frau Faeser und ihre Kollegen die finanziellen Herausforderungen, vor denen das GZO vor allem als ländliches Krankenhaus steht, und ernst nimmt. Insbesondere die Auswirkungen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes auf die Finanzierung und wirtschaftliche Entwicklung des Hauses wurden thematisiert.
Für das GZO besteht dabei ein besonderer Zielkonflikt: Einerseits sollen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung begrenzt und die Beitragssätze stabilisiert werden. Andererseits müssen Krankenhäuser vor allem in ländlichen Regionen Strukturen und Leistungen vorhalten, die für die Bevölkerung unverzichtbar sind – unabhängig davon, wie viele Patientinnen und Patienten einzelne Leistungen tatsächlich in Anspruch nehmen oder ob diese auskömmlich finanziert werden
Landrat Frank Matiaske unterstrich die zentrale Bedeutung des GZO, als 100% Tochter des Odenwaldkreises, für die gesamte Region: „Eine verlässliche medizinische Versorgung darf nicht davon abhängen, ob Menschen in einer Großstadt oder im ländlichen Raum leben. Im Odenwald müssen wir deshalb Leistungen vorhalten, die für unsere Bevölkerung unverzichtbar sind – auch wenn sie sich aufgrund geringerer Fallzahlen nicht wirtschaftlich betreiben lassen. Die Geburtshilfe ist dafür ein gutes Beispiel: Wir halten bewusst an ihr fest, weil weite Wege für werdende Mütter für uns keine akzeptable Alternative sind. Gleichzeitig kann es aber nicht sein, dass der Kreis, und mit ihm seine Städte und Gemeinden, strukturelle Defizite ausgleichen muss, die aus einer unzureichenden Finanzierung notwendiger Versorgungsangebote entstehen. Das Grundgesetz schreibt der Bundes- und Landespolitik verpflichtend vor, für gleichwertige Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land zu sorgen. Wo, wenn nicht bei der wohnortnahen medizinischen Versorgung, muss das gelten. Deshalb erwarte ich, dass die Klinikreform dieses existierende Ungleichgewicht berücksichtigt.“
Der Besuch von Nancy Faeser bot die Gelegenheit, diese Herausforderungen aus erster Hand zu vermitteln und die Bedeutung des GZO als unverzichtbaren Bestandteil der Gesundheitsversorgung im Odenwaldkreis auch auf Bundesebene sichtbar zu machen. Im Mittelpunkt stand dabei der gemeinsame Blick auf die Frage, wie eine qualitativ hochwertige und wohnortnahe medizinische Versorgung auch unter den sich verändernden finanziellen und gesetzlichen Rahmenbedingungen langfristig gesichert werden kann.
Kontakt & weitere Informationen:
Büro der Geschäftsführung
Tel.: 06062 79-2000
E-Mail: info@GZ-Odw.de
www.gz-odw.de